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aus "Der Neue Tag" vom 20.02.2006

Närrische Brücke nach Franken geschlagen

Die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" begeisterte das Publikum in Veitshöchheim und vor den Bildschirmen

Veitshöchheim. 19 lange Jahre mussten die Franken warten, bis in ihre närrische Hochburg Veitshöchheim endlich eine außerfränkische Abordnung einmarschieren durfte. Der Brandlöschzug der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" aus Windischeschenbach im Landkreis Neustadt machte seinem Ruf alle Ehre. Die abgehalfterten Spritzenmänner setzten - schon dies eine Auszeichnung - den Schlusspunkt unter die Prunksitzung, die live mehr als zwei Millionen Bayern im Fernsehen verfolgten.
Kommandant Norbert Neugirg und seine Mannen hoben beim nächtlichen Empfang nach der Sendung so manches Gläschen und stießen mit der Prominenz aus Bayern an, die sich vom Auftritt der "Altneihauser" durchweg begeistert zeigte. Ja, Humor kennt keine Grenzen, der fränkische und der Oberpfälzer Zungenschlag vertrugen sich zumindest an diesem Abend prächtig.

Heftig-deftig nahm der Kommandant seine eigene Formation, die fränkischen Gastgeber und die München-dominierte Landespolitik aufs Korn. Mit Versen wie "Ich schlage vor, die oberbayrischen Kolchosen nach Österreich abzustoßen" zog Neugirg das Publikum auf seine Seite und traf vollends den Nerv der knapp 600 Narren im Saal mit dem Satz: "Und sollten uns die Franken lynchen, lieber tot in Franken als in München."

Solche Breitseiten gingen auch in Richtung Edmund Stoiber. Der Ministerpräsident war ohnedies Zielscheibe Nummer eins an diesem Freitagabend. Wegen seines Verzichts auf ein Berliner Ministeramt musste sich der CSU-Regierungschef höhnisch-spöttische Bemerkungen zuhauf anhören, sodass sich der neue Sitzungspräsident Bernd Händel zwischendrin scheinbar besorgt erkundigte: "Ein bisserl geht doch noch, Herr Stoiber?"

Auch die beiden Fürther Witwen "Waltraud" und "Mariechen" alias Volker Heißmann und Martin Rassau frotzelten frech über "unseren bayerischen Bumerang - wohin man den schickt, der kommt immer wieder zurück". Der nahm's gelassen und stellte hinterher fest: "Lag ja alles über der Gürtellinie."

Die vom Bayerischen Fernsehen ausgestrahlte Sendung schlug wieder alle Rekorde: Mit 2,07 Millionen Zuschauern wurde die Vorjahreszahl um rund 270 000 übertroffen, die Wiederholung am Samstagnachmittag noch nicht eingerechnet. Die beliebteste Sendung des dritten Programms (sie ist am Faschingsdienstag nochmals zu sehen) machte deutlich: Vor allem die starke kabarettistische Prägung der Sendung aus den Mainfrankensälen lockt selbst Faschingsmuffel vor die Bildschirme.

Auch der als bulliger Football-Star verkleidete CSU-Generalsekretär Markus Söder musste sich so manche Frotzelei gefallen lassen. "Ein schönes Kostüm", stellten die beiden Fürther Witwen fest. "Nur sein Körper passt da doch gar nicht rein." Volker Heißmann meinte bissig, "ein großer Helm macht noch kein großes Hirn", und Kabarettist Klaus Karl-Kraus warnte Söder davor, zum "Loddar Matthäus der CSU zu werden".

Traditionell geriet der Franken-Fasching wieder zur Selbstdarstellungsbühne für die landespolitische Prominenz: Dabei sorgte erneut Innenminister Günther Beckstein für Aufsehen. Nach dem "Einstein" im Vorjahr präsentierte sich der Fast-Ministerpräsident heuer von Kopf bis Fuß als bayerischer Kuschel-Löwe mit weiß-blauer Rautenkrawatte. Stoibers politischer Widerpart, SPD-Fraktionschef Franz Maget, strahlte als schwarz-roter Teufel mit Dreizack in die Fernseh-Kameras.